zurück und weiter

Nach einem weiteren verregneten Tag, den ich in verschiedenen Göteborger Museen und Cafés abwettere, bringt mich die große Fähre zurück nach Deutschland. Ich schlage mir beim Captains-Dinner den Bauch voll, verziehe mich ein paar Stunden in meine kostbar gebuchte Kabine und rolle früh am Sonntagmorgen in Kiel mit meinem Rad vom Schiff und gleich weiter zum Bahnhof.

Montag Morgen in Aachen geht’s mit reduziertem Gepäck zum Fahrradhändler meines Vertrauens am Karlsgraben. Der wird mir doch mal eben ein Hinterrad neu einspeichen können – denke ich. Kann er auch, doch nicht heute, sondern frühestens in einer Woche. Da ich jedoch heute noch weiter an die Küste nach Zeeland fahren will, erstehe ich kurz entschlossen einen komplett neuen Laufradsatz, montiere diesen vor der Tür und fahre los. Immer der Nase nach und ziemlich genau nach Westen. Hinter Maastricht beginnt für mich fahrradfahrerisches Neuland. Bis hinter Antwerpen geht’s durch Belgien – oft über holprige Straßen und selten über schlecht ausgebaute Radwege.

Dafür fährt man in Belgien auch nachts stets mit Beleuchtung. Nicht nur in den Städten und im riesigen Hafengebiet Antwerpens tauchen Straßenlaternen alles in ein unwirkliches orange-gelbes-Licht. Auch außerorts auf den Land und auf Nebenstraßen macht eine Laterne nach der anderen die Nacht zum Tag – naja, zumindest ist es nirgends wirklich dunkel. Die Grenze zu den Niederlanden wenige Kilometer hinter den ausufernden Antwerpener Hafenanlagen ist dann im nächtlichen, sonst grenzenlosen Europa, sehr einfach auszumachen. Hinter der letzten (belgischen) Straßenlaterne fahre ich in die stockdunkle (niederländische) Finsternis.

Die letzten 50 Kilometer bis zur Küste ziehen sich ziemlich. Beine und Kopf sind mehr als müde. Warum schleppe ich eigentlich ein Zelt mit? Doch die Vision, zum Frühstück einen warmen Kakao am Strand zu trinken treibt mich weiter. Es dämmert bereits, als ich die letzen Kilometer am Deich entlang Richtung Vrouwenpolder und Oranjezon strampele. Kurz vor dem Ziel, schauen mich zwei Rehe aus einem Getreidefeld neugierig an. Schließlich, 16 Stunden nach meiner Abfahrt in Aachen und 240 km weiter, bin ich endlich da.

Hier wartet zum Ende der Reise eine große Überraschung auf mich. Stefanie ist schwanger und ich werde Vater.

Der kleine Kerl, der sich damals – noch kaum größer als ein Gummibärchen – gerade in ihrem Bauch eingenistet hatte, ist nun schon vier Jahre alt. Und heute feiern wir den zweiten Geburtstag seines jüngeren Bruders.